31. Dezember 2014, 11:57

Ausblick für 2015

Wie jedes Jahr am 31. Dezember, so räume ich auch in diesem Jahr mein Büro ein wenig auf und denke darüber nach, was im kommenden Jahr alles auf mich und meine Kunden zukommen wird.

Das Erste Pflegestärkungsgesetz, welches, am 1. Januar 2015 in Kraft tritt, beinhaltet nicht nur die eher gering ausgefallene Erhöhung der Leistungsbeträge. Es beinhaltet vor allem Regelungen, welche die Arbeit ambulanter Pflegedienste und Sozialstationen in den kommenden Jahren enorm beeinflussen werden. Ich habe mir darum vorgenommen meine Kristallkugel heute danach zu fragen, wie diese Regelungen sich im kommenden Jahr auswirken und womit ambulante Pflegedienste und Sozialstationen wahrscheinlich in Zukunft rechnen müssen.

Eins steht jedoch jetzt schon fest, und Sie werden mir sicher darin zustimmen: So schnell wie das Erste Pflegestärkungsgesetz wurde noch kein Gesetz in der Pflege durch den Deutschen Bundestag gepresst. Vom ersten Kabinettsbeschluss im Februar 2014 bis zur abschließenden Entscheidung im Bundestag am 17.​10.​2014 vergingen gerade mal acht Monate. Diese Zeit reichte dem Herrn Gröhe unterstellten Ministerium, um das Gesetz auf den Weg zu bringen einschließlich aller dafür erforderlichen Expertenanhörungen und der Beratung im Bundesrat. Eine respektable Leistung.

Doch nun wird es Zeit meine Kristallkugel zu suchen. Wo war sie das letzte Mal? Ach da, in der Schublade meines Schreibtisches. Schon kommt sie mir freudig glitzernd entgegen gerollt.

„Hallo, meine Schöne. Wie ist es dir in diesem Jahr ergangen? War es ruhig in deiner Schublade?​“ Die letzte Frage erübrigt sich wohl. So, wie meine Kristallkugel voller Mitteilungsdrang glitzert, war es ihr offensichtlich etwas zu ruhig. Beginnen wir doch einfach mit der ersten Frage. Zuvor noch ein kleiner Hinweis, den ich wie bei meinen Ausblicken für 2013 und 2014 an den Anfang stelle.

„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.​“ Dieses Zitat wird verschiedenen Personen der Zeitgeschichte zugeschrieben, z. B. Mark Twain, Karl Valentin, Niels Bohr oder auch Winston Churchill. Wie dem auch sein, mein Ausblick für 2015 kann Ihnen nicht sagen, trotz Hilfe meiner Kristallkugel, wie die Zukunft Ihres Pflegedienstes oder Ihre Sozialstationen aussehen wird. Mein Ausblick zeigt lediglich auf, wie diese Zukunft bei den durch das Erste Pflegestärkungsgesetz gesetzten neuen Rahmenbedingungen aussehen könnte.

Also wo war ich? Richtig, bei meiner ersten Frage.

Erste Frage: „Warum wurde für Vergütungsabschlüsse zwischen Pflegekassen und Trägern von ambulanten Pflegediensten und Sozialstationen die Bindung an die Grundlohnsummensteigerung beibehalten?​“

Meine Kristallkugel funkelt und glitzert, aber bislang keine Antwort. Das Glitzern wechselt von Grün über Blau zu Rot. Es ähnelt jetzt mehr einem Feuerwerk. Eigentlich ganz passend für den 31.​12.​, aber noch ist nicht Mitternacht. Drei Minuten schon. Ich habe noch nie erlebt, dass meine Kristallkugel solange für eine Antwort gebraucht hat.

„Nicht jeder kann sich Pflege leisten. Doch ohne Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung geht es nicht.​“

Lassen Sie mich kurz nachdenken. Was könnte meine Kristallkugel damit gemeint haben? Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung ohne soziale Betreuung erinnert mich an Satt-und-Sauber-Pflege. Doch sollte Pflege heutzutage nicht mehr sein? Und, wer erbringt Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung, Pflegedienste und Sozialstationen. Zumindest, wenn die Pflege in den eigenen vier Wänden des Pflegebedürftigen geleistet wird. Wer übernimmt die Kosten für die Grundpflege und die hauswirtschaftliche Versorgung, wenn der Pflegebedürftige diese nicht bezahlen kann und auch kein Angehöriger in die Pflicht genommen werden kann? Die Pflegekasse bis zu den gesetzlich festgelegten Leistungsbeträgen und das Sozialamt. Was würde passieren, wenn die Bindung an die Grundlohnsumme entfiele? Dann würden wahrscheinlich die Vergütungen für Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung in einem Maße steigen, die über die Grundlohnsummensteigerung hinausgeht. Der Pflegekasse wäre es egal. Diese beteiligt sich an den Kosten für Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung ohnehin nur in dem Umfang der gesetzlich festgelegten Leistungspauschalen. Nicht egal wäre das jedoch denjenigen, die die über diese Leistungspauschalen hinausgehenden Kosten bezahlen müssen. Das sind die Pflegebedürftigen, Ihre Angehörigen und in immer mehr Fällen das Sozialamt.

Gut - soweit verstehe ich jetzt, dass die Bindung der Vergütungen für Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung an die Grundlohnsummensteigerung beibehalten wird. Wobei ich davon ausgehe, dass es dabei weniger darum geht, Pflegebedürftige und deren Angehörige vor finanzieller Überforderung zu schützen, als darum, die Zunahme der Fälle zu bremsen, in denen das Sozialamt bezahlen muss.

Doch was heißt das für Pflegedienste und Sozialstationen? Es heißt, dass Leistungen der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung auch in den kommenden Jahren schlecht bezahlt werden. Vielfach so schlecht, dass sich Pflegedienste und Sozialstationen genau überlegen müssen, ob Sie Pflegebedürftige ohne zusätzliche und eventuell besser bezahlte Leistungen überhaupt als Kunden aufnehmen.

Zweite Frage: „Werden die Pflegekräfte entlastet?​“

Das Glitzern und Funkeln meine Kristallkugel erreicht spektakuläre Ausmaße. Offenbar habe ich mit meiner Frage genau ihren Geschmack getroffen.

„Pflegekräfte müssen weniger arbeiten.​“

Wie weniger arbeiten? Wo doch die Anzahl der Pflegebedürftigen in den nächsten Jahren rapide ansteigen wird. Manchmal verstehe ich meine Kristallkugel wirklich nicht, zumindest nicht, wenn ich die Antwort das erste Mal höre.

Pflegekräfte müssen weniger arbeiten. Pflegekräfte müssen nach wie vor Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung erbringen, so viel steht fest. Für viele Behandlungspflegen sind außerdem Pflegefachkräfte erforderlich. Aber natürlich: Alles was im Zusammenhang mit zusätzlichen Betreuungs- oder Entlastungsleistungen steht, soll künftig von sogenannten niedrigschwelligen Anbietern erbracht werden. Zwar sind diese nach Landesrecht anzuerkennen, besonders die Anerkennung von niedrigschwelligen Entlastungsangeboten kann jedoch nur eine Formsache sein.

Warum? Weil unter diesen Entlastungsangeboten alle möglichen haushaltsnahen Dienstleister zusammengefasst werden. Das ist natürlich durchaus im Sinne derjenigen, die Ihre Angehörigen pflegen und sich von lästigen Arbeiten wie z. B. Unkraut jäten, Schneeschieben, Hausputz, Fensterputzen usw. entlasten wollen. Ich bin mir sicher, dass vor allem die Haushalte, die ohnehin über einen auskömmliches Einkommen verfügen, gern einen Teil ihres Pflegegeldes opfern, um dafür haushaltsnahe Dienstleistungen einzukaufen.

Aber wie entlastet das die Pflegekräfte?

Momentan erbringen Pflegekräfte ambulanter Pflegedienste und Sozialstationen behandlungspflegerische Leistungen, Grundpflege, hauswirtschaftliche Versorgung und - soweit es zu einer entsprechenden Vergütungsvereinbarungen gereicht hat- häusliche Betreuung. Die Pflegedienste und Sozialstationen sind dabei an die Vergütungssätze gebunden, die mit Kranken- und Pflegekassen sowie ggf. dem Sozialhilfeträger vereinbart wurden.

Bei den niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsangeboten ist das jedoch nicht so. Hier werden die Preise für diese Leistungen ausschließlich vom Anbieter bestimmt. Pflegedienste und Sozialstationen sollten sich darum im kommenden Jahr darüber Gedanken machen, welche ihrer Leistungen sie weiter im Rahmen der mit den Kranken- und Pflegekassen sowie dem Sozialhilfeträger vereinbarten Vergütungen anbieten und welche nicht. Besonders mit Leistungen, die einer zusätzlichen Betreuung entsprechen oder pflegende Angehörige von ihren Pflichten im Haushalt entlasten, könnten Pflegedienste und Sozialstationen sich als niedrigschwelliges Betreuungs- und Entlastungsangebot auf dem Markt etablieren. Auch Pflegedienste brauchen dazu eine Anerkennung nach Landesrecht. Ich bin hier jedoch zuversichtlich, dass diese Anerkennung auch für die von Pflegediensten und Sozialstationen angebotenen niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsleistungen nur eine Formsache ist.

Und natürlich müssen diese Betreuungs- und Entlastungsleistungen nicht von Pflegekräften erbracht werden. Insoweit hat meine Kristallkugel natürlich Recht, wenn sie sagt, dass Pflegekräfte künftig weniger arbeiten müssen. Andere Kräfte müssen hingegen mehr arbeiten.

Dritte Frage: „Müssen Pflegedienste und Sozialstationen vor der Konkurrenz durch niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote Angst haben?​“

„Ja und Nein“, lautet die Antwort und schon rollt meine Kristallkugel wieder zurück in die Schublade.

Wusste ich es doch. Mindestens eine der Antworten meiner Kristallkugel ist wieder einmal so schwammig, dass ich alles hineininterpretieren kann.

Zuerst zu dem Ja. Natürlich müssen Pflegedienste und Sozialstationen sich vor der Konkurrenz durch niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote fürchten. Immerhin können Pflegebedürftige für deren Leistungen bis maximal 40% der für ambulante Pflegesachleistungen vorgesehenen Pauschale verwenden. 40%, die eine ziemliche Lücke auf der Einnahmenseite ambulanter Pflegedienste und Sozialstationen reißen können.

Die Bedingung, dass Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung sichergestellt sein müssen bevor eine Umwidmung der Pflegesachleistungspauschale überhaupt in Betracht kommt, tröstet nur wenig. Sie sorgt lediglich dafür, dass diejenigen, die auf die Hilfe des Sozialamtes angewiesen sind, wahrscheinlich keine Chance haben werden, zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsangebote über die ihnen dafür mindestens pro Monat zustehenden 104 € hinaus in Anspruch zu nehmen. Diese Pflegebedürftigen bleiben den Pflegediensten und Sozialstationen auf jeden Fall erhalten. Man könnte auch sagen, sie bleiben an ihnen hängen.

Besonders, wenn ich noch weiter in die Zukunft denke, fällt mir zu dem Ja ein: Grundpflegerische Leistungen, wie z. B. die Hilfe beim Toilettengang oder beim An- und Auskleiden oder beim Verlassen der Wohnung können sehr wohl bei niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsleistungen anfallen. So wird sich z. B. der Alltagsbegleiter, der dem Pflegebedürftigen bei der Bewältigung seines Alltags zu Seite steht, nicht weigern können, ihm auch beim Toilettengang behilflich zu sein.

Die Abgrenzung zwischen niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsleistungen auf der einen Seite und Grundpflege auf der anderen Seite wird darum immer schwieriger werden, je mehr niedrigschwellige Betreuungs und Entlastungsangebote auf dem Markt sind. Vor diesem Hintergrund erscheint es aus meiner Sicht durchaus denkbar, dass der Gesetzgeber es im nächsten Schritt der Pflegereform den Pflegebedürftigen zu 100% freistellt, zu entscheiden, wer das Geld für Pflegesachleistungen erhalten soll. Ich könnte mir vorstellen, dass eine zusätzliche Wahlmöglichkeit in das Gesetz aufgenommen wird. Als freiwillige Wahlmöglichkeit deshalb, weil nicht alle Pflegebedürftigen diese Wahlmöglichkeit haben werden. Diejenigen, bei denen das Sozialamt ein Wörtchen mitzureden hat, werden mit Sicherheit nicht wählen können.

Und nun zu dem Nein. Warum sollten Pflegedienste und Sozialstationen die Konkurrenz durch niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote nicht fürchten?

Zumindest für das Jahr 2015 ist klar, weshalb meine Kristallkugel zu diesem Schluss kommt. Es gibt einfach zu wenige Anbieter. Hinzu kommt, dass die Bundesländer zunächst per Verordnung regeln müssen, wer als niedrigschwelliger Betreuungs- und Entlastungsdienstleister anerkannt werden kann. Danach folgt das gesamte Anerkennungsverfahren und erst dann werden die ersten Anbieter auf den Markt kommen.

Pflegedienste und Sozialstationen sollten sich dadurch nicht in Sicherheit wiegen lassen. Bereits jetzt empfehle ich meinen Kunden, sich an die für sie zuständige Landesbehörde zu wenden und die Anerkennung als niedrigschwelliges Betreuungs- und Entlastungsangebot zu beantragen. Und sie sollten sich bereits jetzt auf die Suche nach geeignetem Personal machen. Denn ohne entsprechende Mitarbeiter nutzt auch die Anerkennung wenig.

Mein Fazit:
Die neuen niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsangebote bringen für Pflegedienste und Sozialstationen wirtschaftliche Risiken mit sich, aber auch die Chance, künftig mit weniger Aufwand deutlich mehr Einnahmen zu erzielen. Das wird jedoch nur gelingen, wenn Ihr Pflegedienst oder Ihre Sozialstationen eine Anerkennung als niedrigschwellige Betreuungs und Entlastungsangebot erhält. Je früher Sie damit beginnen, die Leistungen zu konzipieren die sie anbieten wollen und die Preise festzulegen; je früher Sie damit beginnen, die entsprechenden Mitarbeiter zu finden, desto besser werden Sie diese Chance nutzen können. Beginnen Sie darum jetzt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Mitarbeitern einen guten Rutsch in das neue Jahr und einen erfolgreichen Start in das neue Jahr 2015.

Viele Grüße
Ihre Carmen P. Baake

Redakteur

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03. November 2014, 12:05

Mein Nachruf auf den Stundensatz

Nachruf auf die

Zeitvergütung
für ambulante Pflegesachleistungen
und häusliche Betreuung

geboren am 30.​12.​2012
verstorben (abgemurkst) am 17.​10.​2014

Die Beerdigung findet am 31.​12.​2014 unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.


Nur wenige Pflegedienste haben Dich kennengelernt. Zeit Deines kurzen Lebens wurdest Du missverstanden und angefeindet. Fast schien es, als wollten diejenigen, die Dir das angetan haben, beweisen, dass Du nicht lebensfähig bist.

Die einen haben versucht, Dich mit Macht in ein Vergütungskorsett zu zwängen, in welchem der Wert von Leistungen in Punkten bemessen wird. Dabei besteht eine Stunde aus fest definierten Zeitabschnitten, wie z. B. Minuten. Jedes Kind weiß das.

Die anderen haben detailliert und hochwissenschaftlich dargelegt, dass Du neben einer zeitunabhängigen Vergütung keine Existenzberechtigung hast. Zu schwierig, zu komplex, zu kritisch die Wechselwirkungen zwischen Dir und der zeitunabhängigen Vergütung. Bewiesen haben sie das freilich nicht, denn Du hattest nicht den Hauch einer Chance, in der Praxis Deine Daseinsberechtigung zu beweisen.

Und nun?

Nun wurdest Du hinterrücks beseitigt. Einfach so.

Dabei hättest Du mit der Zeit bewirken können, dass die zeitunabhängigen Vergütungen für Komplexleistungen teurer und teurer geworden wären. Irgendwann wären die nur noch in Ausnahmefällen zum Einsatz gekommen. Das hätte allerdings zwingend vorausgesetzt, dass die zeitunabhängige Vergütung von Beginn an und konsequent hätte neu kalkuliert werden müssen. Dazu aber war keiner bereit.

Ich hoffe, dass wenigstens jetzt der eine oder andere seine Verweigerungshaltung überdenkt. Jetzt, wo 40 % der Leistungspauschale für ambulante Pflegesachleistungen und häusliche Betreuung für alle möglichen Leistungen, aller möglichen Anbieter ausgegeben werden können. Ist das die Strafe dafür, dass niemand Dich wollte?

Ich kann es nicht sagen. Vielleicht war das auch von Beginn an der Plan, frei nach dem Motto: Wir geben Pflegediensten pro forma die Möglichkeit Stundensätze auszuhandeln – das wollten die doch immer – machen das aber so schwierig, dass kein Pflegedienst das will. Dann stellen wir „überrascht“ fest, Stundensatz mit Pflegediensten aushandeln funktioniert nicht, und öffnen den Markt. Arbeit für alle – Konjunktur angekurbelt – Prima gemacht! Und die Qualität? Wie – die Qualität? Die Qualität beim Hausputz messen – das ginge doch nun wirklich zu weit oder?​! Und für die richtig wichtigen Leistungen, wie die Grundpflege gibt es ja immer noch die Pflegedienste!

Noch …

Redakteur

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24. Juni 2014, 11:30

Sichern Sie sich jetzt Ihr kostenloses Probeexemplar

.​.​. von "Wirtschaftlich erfolgreich im Ambulanten Pflegedienst"

Es lohnt sich. Meine Juni-Ausgabe hat z. B. folgende Themen:

- Schwerpunkt: Osteuropäische Haushaltshilfen - So machen Sie daraus einen Vorteil für Ihren Pflegedienst (mit Musterangebot)

- Intergrieren Sie Ihre Angehörigen erfolgreich in Ihren Pflegedienst, in 6 Schritten

- Beschleunigen Sie das Genehmigungsverfahren für das Anlegen und Wechseln von Wundverbänden, mit Muster-Einverständniserkläru­ng

- Erfahren Sie, was rauchende Mitarbeiter Sie kosten und was Sie dagegen tun können.

Ganz dick im Kalender ankreuzen sollten Sie den 23.​07. An diesem Tag erscheint meine Juli-Ausgabe.

Schwerpunkt dieser Ausgabe ist das 1. Pflegestärkungsgesetz, das am 01.​01.​2015 in Kraft treten soll. Ich habe den vom Bundeskabinett bestätigten Entwurf für Sie auf "Herz und Nieren" geprüft und realistische Umsatzsteigerungen um 30 % für Sie ermittelt - wenn Sie sich optimal positionieren. Je früher Sie damit beginnen, desto besser. Wir sagen Ihnen, worauf es dabei ankommt.

weitere Themen sind:

- Muster-Widerspruchsformulier­ungen für die häufigsten Ablehnungsgründe der Kassen zur Medikamentengabe

- Schritt-für-Schritt-Anleitun­g zum Lösen von Konflikten mit Kunden, die auf bestimmten Einsatzzeiten bestehen

- In 3 Schritten Mitarbeiterbesprechungen zeitsparend und effizient planen und durchführen.

Es lohnt sich also wieder, den newsletter zu lesen. Bestellen Sie darum noch heute das kostenlose Probeexemplar hier:

https:​/​/​www.​ppm-online.​org/​shop/​ambulante-pflege/​detailansicht/​kategorie/​0/​produkt/​pdlbusiness-ambulant/

Viele Grüße
Carmen P. Baake

Redakteur

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11. Mai 2014, 17:50

Erschütternd oder logische Konsequenz jahrzehntelanger Knauserei auf Kosten der Schwächsten?

Auszug aus „Mindestanforderungen für die Haltung von Säugetieren“, hier Gorillas

Innengehege : Mindestens 200 qm für eine sozial intakte Gruppe von bis zu
4 erwachsenen Tieren; für jedes weitere Tier 20 qm mehr; Mindesthöhe: 4 m

Auszug aus „Heim-Mindestbauverordnung“, hier: erwachsene pflegebedürftige Menschen

§ 23 Pflegeplätze
(1) Pflegeplätze müssen mindestens einen Wohnschlafraum mit einer Wohnfläche von 12 qm für einen Bewohner, 18 qm für zwei, 24 qm für drei und 30 qm für vier Bewohner umfassen. Wohnschlafräume für mehr als vier Bewohner sind nicht zulässig.

Und, was sagt uns das über den Umgang mit unseren Pflegebedürftigen?

Redakteur

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08. Mai 2014, 10:10

Die Treibjagd auf Pflegeheime und Pflegedienste hat begonnen – Wieder einmal.

„Team Wallraff“ brachte es bei RTL ans Licht. Die Zustände in deutschen Pflegeheimen stinken zum Himmel – wortwörtlich. Und – damit nicht genug – deutsche Pflegedienste betrügen, was der Leistungsnachweis hergibt. Sie machen gemeinsame Sache mit Ärzten, armen Rentnern und wenn das nicht funktioniert, schieben sie Blinden gefälschte Leistungsnachweise zur Unterschrift unter.

Prompt greifen mehrere große Tageszeitungen das Thema auf. Man hat schließlich dazu auch etwas zu sagen. So schreibt z. B. die „Süddeutsche Zeitung“ auf ihren Internetseiten sinngemäß – es gäbe richtige Pflegedienste, die bei vielen Patienten ein wenig abzocken und es gäbe falsche Pflegedienste, die überhaupt keine Leistungen erbringen und gemeinsam mit armen Alten und Ärzten so richtig abzocken. Pflegedienste, die ordentlich arbeiten und ordentlich abrechnen, kommen in dem Artikel nicht vor. Natürlich wurden dazu auch Vertreter der geprellten Sozialhilfeträger interviewt – hier Herr von Dassel, stellv. Bezirksbürgermeister und Bezirksstadtrat für Soziales und Bürgerdienste in Berlin-Mitte. Dieser betont, die betrügerischen Maschen der Pflegedienste zu kennen, aber es sei zu schwierig, den Pflegediensten den Betrug nachzuweisen.

Häh? Da wird also mit dem großen Knüppel auf alle Pflegedienste eingehauen, obwohl nicht nachgewiesen ist, dass alle betrügen? Der juristische Grundsatz: „Unschuldig bis zum Beweis des Gegenteils“, gilt in Deutschland offensichtlich nicht mehr – zumindest bei der Treibjagd auf Pflegeheime und Pflegedienste, die nun wieder begonnen hat. Die Jäger fragen bei einer Treibjagd die Wildsau schließlich auch nicht: „Schmeckst du?​“. Wildsau = Lecker. – heißt es da – ebenso wie: Pflegedienst = Betrüger; oder: Pflegeheim = katastrophale Pflege; in der jetzigen Pflegehatz.

Die Ursache für den Abrechnungsbetrug und die schlechte Pflege ist schnell ausgemacht – Habgier der Pflegedienst-/​Pflegeheimbetreiber und ihrer Aktionäre. Die Lösung lautet bei den meisten Medien – „Sorgt privat für den Pflegefall vor, damit Ihr Euch später eine bessere Pflege leisten könnt.​“ Sogar der Bundesgesundheitsminister, Herr Gröhe, wirbt öffentlich dafür, privat für den Pflegefall vorzusorgen.

Aber es ist die „Süddeutsche Zeitung“, die es in Ihrem Fazit zu o.​g. Artikel vom 07.​05.​2014 auf den Punkt bringt. Sie schreibt: „Die Pflege muss neu durchdacht und besser organisiert werden. Einfacher, logischer, näher am Menschen. Pflege in Deutschland, dieser ganze Verwahr- und Verwaltungswust, ist tragisch gescheitert. Wir müssen uns jetzt etwas anderes überlegen. Denn so wie im Moment funktioniert es - ganz offensichtlich - nicht mehr.​“

Dieses Fazit teile ich uneingeschränkt.

Um eine Neuausrichtung der Pflege hinzubekommen, habe ich hier einige Forderungen aufgestellt.

Was nutzen Qualitätsprüfungen des MDK, wenn dadurch pflegerische Missstände nicht verhindern werden? - Schafft sie ab oder ändert sie so, dass sie tatsächlich das prüfen, was beim Pflegebedürftigen als Qualität ankommt! Erst dann wären die 5 Mrd. €, die lt. Statischem Bundesamt pro Jahr als Erfüllungsaufwand für die Qualitätsprüfungen beziffert werden, gut angelegtes Geld.

Was nutzen Leistungsnachweise, die unübersichtlich, enorm fehleranfällig und einfach zu manipulieren sind? – Schafft sie ab! Die 1 Mrd. €, welche das Statistische Bundesamt als bürokratischen Erfüllungsaufwand für diese Nachweise beziffert, könnten in der Pflege wirklich besser verwendet werden.

Was nutzen Leistungskomplexe, die dem Pflegebedürftigen jegliche Möglichkeit rauben, Pflegeleistungen nach seinen individuellen Wünschen abzurufen? Was nutzen dem Pflegebedürftigen und seinen Angehörigen Leistungskomplexe, deren sinnvolle Kombination nur mit pflegefachlichem Sachverstand möglich ist? Was nutzen Leistungskomplexe, deren Preis für Pflegebedürftige und Angehörige überhaupt nicht nachvollziehbar ist, weil sie das komplexe Berechnungssystem mit Punktzahl und Punktwert nicht verstehen – nicht verstehen können? – Schafft sie ab! Dann können Pflegebedürftige die Leistungen abrufen, die sie wollen und Pflegedienste individuelle Leistungen anbieten. Die Abrechnung nach Zeit reicht vollkommen und ist außerdem für jeden nachvollziehbar.

Was nutzt ein geringer Beitragssatz in der Pflegeversicherung, wenn die Einnahmen nicht ausreichen, um für jeden, der darauf angewiesen ist, eine menschenwürdige und individuelle Pflege zu gewährleisten? – Sorgt dafür, dass die Gelder ohne Verluste für unnötige Bürokratie und Verwaltung bei denjenigen ankommen, die gepflegt und betreut werden! Erhöht den Beitragssatz oder – besser noch - finanziert die Pflege aus Steuergeldern! Die jetzigen Einnahmen reichen nicht und man muss kein Prophet sein – auch die Einnahmen aus dem ab 01.​01.​2015 geringfügig erhöhten Beitragssatz werden nicht reichen.

Was nutzen vollmundige Bekundungen, man wolle die Attraktivität des Pflegeberufes erhöhen, wenn gleichzeitig daran gearbeitet wird, die Pflege zu entprofessionalisieren – wie es mit den niedrigschwelligen Entlastungsangeboten lt. Referentenentwurf zur 1. Stufe der Pflegereform (Stand 08.​04.​2014) geplant ist? – Erhöht die Attraktivität des Pflegeberufes! Sorgt für eine angemessene personelle Ausstattung der Pflegeheime und für eine Vergütung der Pflegekräfte, die ihrer Verantwortung und ihrem Engagement entspricht!

Das wären meine Hauptforderungen. Wie wären Ihre?

Viele Grüße
Carmen P. Baake

Redakteur

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09. April 2014, 09:49

Von 3 Pflegestufen zu 5 Pflegegraden

Gestern war es endlich soweit. Der Bundesgesundheitsminister gab grünes Licht für die Erprobung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffe­s.

In zwei Studien werden jeweils 2.​000 Begutachtungen nach dem neuen Begutachtungsverfahren durchgeführt. Wissenschaftliche Verantwortung für die Studien hat Prof. Dr. H. Rothgang von der Uni Bremen. Regie für die Erprobung führt der GKV-Spitzenverband.

Was soll erprobt werden?

In der ersten Studie steht die Praktikabilität des neuen Begutachtungsverfahrens auf dem Prüfstand. Um das neue Verfahren mit dem alten Verfahren vergleichen zu können wird bei 2.​000 Antragstellern sowohl nach den alten als auch nach dem neuen Verfahren geprüft. Im Ergebnis soll diese Studie Auskunft zu folgenden Aspekten geben:

- Aufwand für die Umsetzung des neuen Begutachtungsverfahren

- Akzeptanz des neuen Verfahren durch die Begutachteten (Antragsteller)

- Verteilung der Pflegebedürftigen auf die neuen Pflegegrade

Die zweite Studie beinhaltet 2.​000 Begutachtungen in bundesweit 40 stationären Pflegeeinrichtungen.

Mit dieser Studie soll ermittelt werden, wie hoch der zeitliche Aufwand für die Erbringung der konkret erforderlichen Pflegeleistungen in den einzelnen Pflegegraden ist.

Diese Studie wird später vermutlich – auch wenn es so nicht vom Bundesgesundheitsministerium gesagt wurde – maßgebend für die Bemessung der €-Leistungssätze je Pflegegrad sein.

Das Ergebnis der Erprobungsphase soll Anfang 2015 vorliegen. Danach soll die entsprechende gesetzliche Regelung erarbeitet und auf den Weg gebracht werden, so dass der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff spätestens im Jahr 2017 eingeführt werden kann.

Werden dann aus 3 Pflegestufen tatsächlich 5 Pflegegrade?

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff wurde in den vergangenen Jahren von einer Expertenkommission erarbeitet und sieht tatsächlich 5 Pflegegrade vor.

Allerdings wurde das Grundanliegen – nämlich die Einbeziehung von kognitiven Einschränkungen bei der Ermittlung des Pflegebedarfes – in den zurückliegenden Jahren bereits durch mehrere gesetzliche Regelungen überholt, zuletzt durch das Pflegeneuausrichtungsgesetz.

Berücksichtige ich die zusätzlichen Leistungen, die mit diesen Gesetzen eingeführt wurden und speziell auf Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen gerichtet sind - wie z. B. Demenzkranke – haben wir schon jetzt nicht nur 3 starre Pflegestufen, sondern:

- Pflegestufe 0 mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz (EEA)
- Pflegestufe 1
- Pflegestufe 1 mit EEA
- Pflegestufe 2
- Pflegestufe 2 mit EEA
- Pflegestufe 3
- Pflegestufe 3 mit EEA

Wir haben also momentan schon 7 Differenzierungen des Pflegebedarfes.

Berücksichtigt man zusätzlich die Unterscheidung zwischen EEA (monatl. Anspruch 100 €) und erhöhtem EEA (monatl. Anspruch 200 €), ergeben sich sogar 11 Stufen.

Wird das Geld für die 5 Pflegegrade reichen?

Für die Pflegegrade soll der Beitragsatz zur Sozialen Pflegeversicherung um weitere 0,​2 Prozent angehoben werden (ab 01.​01.​2015 bereits um 0,​3 Prozent für Vorsorgefonds und kurzfristige Leistungsverbesserungen).

Das entspricht Mehreinnahmen in Höhe von ca. 2,​4 Mrd. Euro pro Jahr.

Vor dem Hintergrund, dass spätestens seit 01.​01.​2013 mit der Einführung der Geld- und Sachleistung nach § 123 SGB XI ein großer Teil der von den Pflegegraden erhofften zusätzlichen Leistungen vorweggenommen wurde, könnten diese Mehreinnahmen ausreichen.

Ob es tatsächlich so kommt, hängt jedoch vom konkreten Zuschnitt der Pflegegrade ab.

Wir dürfen also auf das Ergebnis der Erprobung gespannt sein.

Viele Grüße
Carmen P. Baake

Redakteur

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03. April 2014, 10:12

Kurzzeitpflege nach Krankenhausaufenthalt

Am 02.​04.​2014 hatte der Petitionsausschuss der Deutschen Bundestages eine Petition auf der Tagesordnung, die am 25.​06.​2012 zu diesem Thema eingereicht wurde.

Zeitnah ist das nicht!

Das erste Fazit lautet darum: Petitionen sind nicht geeignet, um schnelle Lösungen herbeizuführen.

Warum wurde die Petition eingereicht?

Die Petition wurde eingereicht, weil die Mutter des Verfassers nach einem Krankenhausaufenthalt gesundheitlich noch nicht in der Lage war, die erforderliche Rehabilitation anzutreten. Sie war vorübergehend auf Pflege in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung angewiesen. Die Kosten dafür musste sie selbst tragen, da – wie geschrieben, ihr Pflegebedarf nur vorübergehend vorhanden war. Die Pflegekasse bezahlt die Kurzzeitpflege jedoch erst, wenn der Pflegebedarf für voraussichtlich länger als 6 Monate besteht und mindestens in dem Umfang der Pflegestufe 1.

Was sollte mit der Petition erreicht werden?

Die Petition hatte das Ziel, eine gesetzliche Änderung anzustoßen. Dadurch sollten auch Menschen ohne Pflegestufe die Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen können, ohne dass sie den Aufenthalt selbst bezahlen müssen. Ob zu Lasten der Kranken-, Renten- oder Pflegeversicherung blieb offen.

Wie entschied der Petitionsausschuss?

Der Ausschuss sprach sich dafür aus, dass man sich intensiver mit der versicherungsrechtlichen Situation der Kurzzeitpflege nach Krankenhausaufenthalten befassen sollte. Zu diesem Zweck erhält das Bundesgesundheitsministerium die Petition als „Material“. Zudem wird die Petition allen Bundestagsfraktionen zur Kenntnis gegeben.

Die Ausschussmitglieder sahen jedoch keinen Grund, die Kurzzeitpflege gesetzlich neu zu regeln – so wie der Verfasser der Petition das wollte. Eine Gesetzeslücke gebe es nicht. Patienten hätten bereits seit 2007 Anspruch auf ein Versorgungsmanagement, der 2008 sogar erweitert wurde und ab diesem Zeitpunkt auch Pflegeeinrichtungen einbeziehen sollte. Zudem hätten gesetzlich Krankenversicherte ab 2012 Anspruch auf ein Entlassungsmanagement durch das Krankenhaus, also die Überleitung Versicherter von der Krankenhausbehandlung in die verschiedenen notwenigen Nachsorgebereiche.

Die Krankenkassen hätten dafür Sorge zu tragen, dass ihre Versicherten diesen Anspruch auch nutzen können.

Meine Meinung dazu ist …

1. Der Anspruch auf ein Versorgungsmanagement bzw. Entlassungsmanagement löst das Grundanliegen der Petition nicht. Die Bezahlung der Kurzzeitpflege für Patienten ohne Pflegestufe bleibt ungeklärt.

2. Bislang sind mir persönlich keine Fälle bekannt, in denen die Krankenkasse aktiv Vorschläge zur weiteren Versorgung nach stationären Krankenhausaufenthalten unterbreitet hat. Im Gegenteil, werden nicht die zur Nachsorge beantragten Leistungen, wie z. B. stationäre Anschlussheilbehandlung, häusliche Krankenpflege oder Hilfsmittel, von den Kassen abgelehnt, gekürzt oder nach langer Bearbeitungsdauer nur äußerst widerwillig genehmigt? Wie sind Ihre Erfahrungen?

3. Ich persönlich kenne auch niemanden, dessen Krankenhaus sich intensiv darum bemüht hätte, dass die nach der stationären Behandlung erforderliche Versorgung sichergestellt ist. Meist erschöpft sich nach meinem Kenntnisstand das Entlassungsmanagement darin, einen Antrag auf Pflegestufe bzw. einen Antrag auf eine Anschlussheilbehandlung an die Kassen zu senden. Und – natürlich – dem Patienten und seinen Angehörigen täglich aufs Brot zu schmieren, dass er im Krankenhaus eigentlich nichts mehr verloren hat. Ich lasse mich natürlich gern eines besseren belehren.

4. Es gibt sicher Patienten, die nach einem Krankenhausaufenthalt nur in einer stationären Pflegeeinrichtung, wie der Kurzzeitpflege, gut aufgehoben sind. Es gibt aber auch viele Patienten, die in ihren eigenen vier Wänden soweit genesen können, dass sie in der Lage sind, eine Rehabilitation in Anspruch zu nehmen. Aber auch diese Patienten fallen in eine Versorgungslücke. Die vorübergehend erforderliche Pflege und /​oder Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung wird per Gesetz nicht bezahlt. Das heißt es gibt keinen Paragrafen, der besagt, dass Versicherte auf diese Leistungen Anspruch haben. Warum der Petitionsausschuss dennoch keine Gesetzeslücke sieht, ist mir ein Rätsel.

Das Beste kommt zu Schluss.

Seit 2011 trage ich die Satzungsleistungen der gesetzlichen Krankenkassen zur häuslichen Krankenpflege und Haushaltshilfe akribisch zusammen und aktualisiere halbjährlich die entsprechende Übersicht.

Ich bin davon überzeugt, dass die unter 4. beschriebene Versorgungslücke weitgehend geschlossen werden könnte, wenn diese Satzungsleistungen genutzt werden.

7 von 10 gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung auch dann, wenn diese Leistungen zusätzlich zu einer Behandlungspflege zur Sicherung der ambulanten ärztlichen Behandlungen verordnet werden.

Jede 2. gesetzliche Krankenkasse bezahlt Haushaltshilfe auch dann, wenn kein Kind im Haushalt lebt – was bei vielen Patienten der Fall ist.

Diese Satzungsleistungen sind jedoch weitgehend unbekannt. Sie werden darum den Patienten nicht angeboten und nicht verordnet. Diesem Informationsdefizit soll meine Übersicht abhelfen.

Gesetzliche Änderungen dauern lange, die Entscheidung über Petitionen noch länger – wie wir bei dieser Petition sehen.

Bis zu einer endgültigen Lösung ist es darum wichtig, das Beste aus dem zu machen, was da ist – und das sind die Satzungsleistungen. Nicht jede Krankenkasse bietet solche Leistungen an und darum wird nicht jeder Patient sie nutzen können. Aus meiner Sicht wäre es jedoch fatal, Leistungen nicht anzubieten, nur weil sie in der Satzung stehen.

Es gibt viele Möglichkeiten, sich über diese Leistungen zu informieren. Die von mir erstellte Übersicht ist die bequemste Möglichkeit aber jeder kann bei der Krankenkasse seines Patienten nachfragen oder im Internet die Satzung lesen.

Viele Grüße und machen Sie sich für Ihre Patienten schlau!

Carmen P. Baake

Redakteur

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26. März 2014, 08:11

Vormerken - "Meine" nächste Ausgabe der "pdl.business ambulant" erscheint Anfang April

Am 02.​04. ist es mal wieder soweit. Die nächste von mir geschriebene Ausgabe erscheint.

Wenn Sie u.​a. mehr über
- den Nutzen paralleler Einsatze von Pflegefachkräften und Pflegekräften erfahren inkl. Faustformel, ob sich das rechnet,

- die Berechnung des Personalbedarfes bei Neukunden oder bei Änderungen im Leistungsumfang,

-Kostensparen mit innovativen Fort- und Weiterbildungsmethoden und

- Mitarbeiterbindung durch den Abschluss von Direktversicherungen

erfahren wollen, sollten Sie sich diesen Termin rot auf dem Kalender ankreuzen.

Das Sie in dieser Ausgabe auch einen Musterpresseartikel bekommen, mit dem Sie Ihren Pflegedienst hervorragend in Szene setzen, will ich gar nicht erwähnen - Upps, sollte eigentlich eine Überraschung sein.

Also Termin vormerken und rechtzeitig die neue Ausgabe ordern.

Für alle, die es noch nicht wissen, die "pdl.​business ambulant kann 14 Tage kostenlos bezogen werden.

Sie können sie hier bestellen:

https:​/​/​www.​ppm-online.​org/​shop/​ambulante-pflege/​detailansicht/​kategorie/​0/​produkt/​pdlbusiness-ambulant/

Viele Grüße
Ihre Carmen P. Baake

Redakteur

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05. März 2014, 12:19

Zwischen den Zeilen gelesen –Pflege durch Ehrenamtliche

Gegenüber der Zeitung „Die Welt“ erklärte der Beauftragte der Bundesregierung für Patienten und Pflege, Herr Karl-Josef Laumann, am 26.​02.​2014:

„Wir müssen vor allem den Angehörigen helfen. Die Familien werden immer kleiner: Wenn zwei Einzelkinder heiraten, kann es passieren, dass die beiden sich um vier Pflegefälle kümmern müssen. Ich möchte, dass die pflegenden Familien fachlich gute, aber auch menschliche und bezahlbare Hilfe zur Entlastung bekommen. Ein Baustein können hier sicher Ehrenamtliche sein, zum Beispiel geschulte Rentner, die eine Aufwandsentschädigung erhalten, ähnlich der steuerfreien Übungsleiterpauschale beim Fußball. So entsteht ein niedrigschwelliges, ortsbezogenes Angebot.​"

Ach – es könnte so einfach sein! Warum nur ist bisher keiner darauf gekommen? Pflege durch Ehrenamtliche. Wir schulen ein paar Rentner – von denen es ja in den nächsten Jahren mehr als genug geben wird – und setzen sie in der Pflege ein. Die bekommen dann pro Stunde so zwischen 5 und 8 Euro, steuerfrei, und sind happy, dass sie ihren Nachbarn füttern dürfen und so.

Da fragt man sich doch direkt, warum Pflege eigentlich so teuer ist. Herr Laumann jedenfalls scheint sich das gefragt zu haben und bietet mit den Ehrenamtlichen eine aus seiner Sicht akzeptable Lösung für die Kostenfalle Pflege.

Und, wenn Rentner nach einer kurzen Schulung
- „fachlich gute“,
- „menschliche“ und
- „bezahlbare Hilfe“
leisten können – können wir uns fragen:

Warum dann eine 3-jährige Ausbildung zur Pflegefachkraft bzw. eine 1-jährige Qualifikation zur Pflegehelferin?

Warum dieses ganze Gedöns um Pflegewissenschaften oder wie auch immer das Zeug heißt?

Warum die hohen Anforderungen an die Qualität in der Pflege, wie z. B. die Arbeit nach Pflegestandards?

Warum so kompliziert, wenn es doch ganz einfach der Rentner von nebenan machen kann?

Gratulation, Herrn Laumann! Sie haben – wenn schon nicht den Stein der Weisen – so doch immerhin etwas gefunden, was diesem verdammt nahe kommt.

Ganz nebenbei zeigen Sie mit Ihrem Vorschlag auf beeindruckende Weise, welchen Wert die professionelle Pflege für Sie hat. Wer hätte da noch die Unverfrorenheit, Sie auf Ihre Forderung nach Handwerkerlöhnen für Pflegekräfte anzusprechen? Oder sogar auf den Fachkräftemangel in der Pflege?

Ihr Pragmatismus in allen Ehren – ich hoffe nur, dass Sie sich gern von Ihrem Nachbarn pflegen lassen. Und, ich drücke Ihnen ganz fest die Daumen, dass Ihr Nachbar das auch richtig macht und Sie sich nicht wund liegen. Aber – was rede ich da? Das ist doch nichts weiter als pflegewissenschaftlich angehauchtes Qualitätsgeschwafel.

Sehr geehrter Herr Laumann – setzen Sie Ehrenamtliche für die Pflege ein und seien Sie konsequent!

Gibt es nicht noch andere Tätigkeiten, die geschulte Rentner fachlich gut, und vor allem menschlich und bezahlbar leisten können? Mit fallen da spontan die folgenden Möglichkeiten ein:

- als Pflegekraft im Krankenhaus,
- als Ersatz für den Arzt, der keine Zeit für den Hausbesuch hat – zur Not hilft ja der Griff zum Telefon,
- als Erzieher in KITA, Schule etc.

Was man da sparen könnte!

Sarkasmus-/​Ironiemodus aus!

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Ich bin davon überzeugt, dass es für uns alle besser ist, wenn sich mehr Menschen als bisher gemeinnützig engagieren. Das kommt Älteren ebenso zugute wie den ganz Kleinen und entlastet, wenn es richtig organisiert wird, die Familien. Auch gegen den finanziellen Anreiz spricht zunächst nichts.

Wenn das Ehrenamt jedoch dazu missbraucht werden soll, die Qualität der Pflege zu senken, indem professionelle Pflegekräfte sukzessive durch Ehrenamtliche ersetzt werden, sehe ich das etwas anders.

Dann sollte Politik doch so ehrlich sein, und einfach sagen, dass
• die Qualitätsanforderungen nicht länger aufrecht erhalten werden
• jeder, der gegen Bezahlung pflegen will auch pflegen darf und
• die Diskussion um die Pflegeausbildung und die Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufes beendet ist.

Was meinen Sie zu dem Vorschlag von Herrn Laumann?

Viele Grüße
Ihre Carmen P. Baake

Redakteur

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20. Februar 2014, 07:54

Milliarden für die Pflege

So verkündeten Anfang der Woche mehrere Zeitschriften, nachdem die CDU/​CSU am Wochenende zuvor die Grundpfeiler für die Vorhaben in der Pflege festgeklopft hatte.

Das hat mich natürlich interessiert, also habe ich nachgerechnet, was am Ende tatsächlich heraus kommt. Zumal der neue Bundesbeauftragte für Patienten und Pflege, Herr Karl Josef Laumann, am 18.​02.​2014 bei Frau Maischberger auf dem Sofa noch einmal betont hatte, dass die Leistungen der Pflegeversicherungen in dieser Legislaturperiode um 20 Prozent erhöht werden - Punkt

Wenn ich dieser klaren Ansage die Aussagen von Herrn Spahn (CDU) gegenüberstelle, frage ich mich - wo sind die übrigen 17 Prozent?​; denn er bzw. die CDU/​CSU wollen die Leistungen um 3 Prozent dynamisieren.

Das ist natürlich polemisch argumentiert und das ist nicht meine Art. Also habe ich mir überlegt, ob die fehlenden 17 Prozent vielleicht die anderen zusätzlich geplanten Ausgaben sind.

Wenn also 660 Mio. € einer Ausgabenerhöhung von 3 % entsprechen. Was müssten die anderen "Wohltaten" für die Pflege kosten, um über eine Erhöhung von 20 % zu sprechen? Der Ausgangswert, den die CDU/​CSU für die ermittelten 660 Mio. € zugrunde gelegt hat, waren die Ausgaben der Pflegeversicherung aus dem Jahr 2012 in Höhe von 22 Mrd. €. (Bei dem Jahr bin ich mir nicht ganz sicher, aber die 22 Mrd. stimmen.​) 20 % von 22 Mrd. € wären 4,​4 Mrd. €.

Geplant sind gegenwärtig folgende zusätzliche Ausgaben:
660 Mio. € für die Dynamisierung der Leistungen
500 Mio. € für zusätzliche Betreuungskräfte in Heimen
500 Mio. € für die Ausweitung der Betreuungsleistungen Demenzkranker
500 Mio. € für flexible Budgets für Kurzzeit- und Verhinderungspflege und teilst. Pflege
_
2,​16 Mrd. € gesamt

Wo sind die übrigen 2,​24 Mrd. €? Kommen die tatsächlich noch in dieser Legislaturperiode oder erst mit der erneuten Erhöhung des Beitragssatzes um weitere 0,​2 Prozent?

Darüber hinaus halte ich die Dynamisierung der Leistungen um 3 % absolut nicht für ausreichend, um den Kaufkraftverlust auszugleichen, den die Leistungsbeträge in den vergangenen Jahren erlitten haben. Selbst dann, wenn man nur die Jahre seit der letzten Anpassung der Leistungsbeträge zugrunde legt, also die Jahre ab 2012. Laut Statistischem Bundesamt betrug die Inflationsrate im Jahr 2012 2 %, 2013 ca. 1,​5 % und 2014 müsste noch hinzugerechnet werden, da die geplante Dynamisierung erst ab 2015 greifen soll.

Wenn ich mir überlege, was eine Erhöhung von 3 % dem Pflegebedürftigen monatlich nutzt, ist die Sache noch ernüchternder.

Beispiel:
Pflegestufe 1 ohne erhebl. eingeschränkte Alltagskompetenz, ambulante Pflegesachleistung - max. Pflegesachleistung
jetzt 450 €
ab 2015 463,​50 €

Macht unterm Strich pro Monat 13,​50 € mehr. Ich denke, jeder, der diesen BLOG liest weiß, wie wenig Mehrleistungen man sich dafür einkaufen kann.

Zudem vermisse ich Aussagen dazu, was geplant ist, um die Pflegefachkräfte besser zu bezahlen und so einen Schritt zur Erhöhung der Attraktivität des Pflegeberufes zu machen. Und Entbürokratisierung kommt gar nicht mehr vor.

Alles in allem komme ich zu dem Schluss: Das, was da geplant ist, mag gut gemeint sein, reicht aber bei Weitem nicht aus. Wenn die Vorhabentatsächlich so kommen, wie jetzt von der CDU/​CSU geplant, tritt die GROKO klar in die kleinen Fußstapfen von Schwarz-Gelb und wird darum kaum eigene Spuren hinterlassen. Wieder mal gekleckert statt geklotzt.

Viele Grüße
Carmen P. Baake


Redakteur

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short-lessons2go

Strategieentwicklung_fuer_Pflegedienste_und_Sozialstationen

Do 01 Okt 2015 17:22:20 CEST
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Passend zu meinem BLOG-Beitrag vom 30.09.2015 hier nun der Podcast-Beitrag zum Thema: Strategieentwicklung für Pflegedienste und Sozialstationen. Wann, wenn nicht jetzt? Sollten Sie nach dem Hören immer noch der Meinung sein, Ihr Pflegedienst oder Ihre Sozialstation braucht keine Unternehmensstrategie, gibt es nur zwei Möglichkeiten. 1. Ihr Unternehmen hat bereits eine Strategie, welche die in diesem Beitrag beschriebenen Risiken und Chancen berücksichtigt. 2. Ihr Unternehmen braucht keine Unternehmensstrategie (mehr), weil es in den nächsten 10 Jahren vom Markt geht. Ich weiß, dass ich mir mit diesem radikalen Ansatz nicht nur Freunde machen werde. Für Pflegedienste und Sozialstationen, die auch im Jahr 2025 noch sehr gut am Markt positioniert sein wollen, führt jedoch nach meiner Überzeugung kein Weg an der Entwicklung einer Unternehmensstrategie vorbei.

Pflegekassen fordern volle Kontrolle über den Pflege-TÜV und Offenlegung der Kalkulationsgrundlagen

Fr 13 Feb 2015 11:03:39 CET
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Eben erst ist das 1. Pflegestärkungsgesetz in Kraft getreten - und schon wird heiß über den Inhalt des 2. Pflegestärkungsgesetzes diskutiert. Doch nicht der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff steht im Zentrum der Diskussion, sondern der Pflege-TÜV und die faire Bezahlung der Pflegekräfte. Zwei Forderungen der Spitzenverbände gesetzlicher Kranken- und Pflegekassen lassen mir dabei buchstäblich die Haare zu Berge stehen. In diesem Beitrag erfahren Sie, was ich davon halte. Die Spitzenverbände der Kranken- und Pflegekassen fordern nämlich die alleinige Entscheidungskompetenz für den Pflege-TÜV und die Offenlegung jeglicher Kalkulationsgrundlagen der Pflegeeinrichtungen sowie Nachweise wie diese ihre Einnahmen verwenden. Soll das wirklich die Zukunft der Pflege sein? Um Missverständnisse zu vermeiden: Auch ich bin für eine faire Bezahlung der Pflegekräfte und halte den Pflege-TÜV für untauglich, die Forderungen der Spitzenverbände verschlimmern jedoch die gegenwärtige Situation.